Per Anhalter durch die Bloggosphäre

Sie sind jung, ehrgeizig, fleißig, haben ein ausgeprägtes Ego und ein bemerkenswertes Sendungsbewusstsein, und sie sind verrückt nach Mode: Modeblogger. Noch vor drei, vier Jahren kannte sie kaum jemand. Doch seit 14-jährige Bloggerinnen zu den Haute-Couture-Schauen nach Paris eingeladen werden, seit große Namen wie Chanel oder SONY Blogger als Werbeträger nutzen, seit Designer sich von besonders kreativen Blogs inspirieren lassen, ist diese neue Lebensebene im Internet auch für die Mode zu einer wichtigen Kommunikationsform geworden. Schneller, spontaner und persönlicher kann man einfach nicht über Mode berichten, ach, was heißt berichten: öffentlich mit Mode leben und die ganze Welt zugucken lassen. Denn das ist ein Blog: sich mit Fotos und/oder kleinen Texten zu einem Thema äußern und andere dazu einladen, das Gesehene oder Gelesene zu kommentieren. Unendliches Geschwätz? Damit kann man die virtuelle Selbstdarstellung im Web nicht mehr einfach abtun, ohne Wichtiges zu verpassen. Es gibt Könner und faszinierende Projekte unter den mittlerweile Tausenden, die ihr Ich und ihren Kleiderschrank vermarkten und denen es um mehr geht. Einer der ersten war der Modeblog „The Sartorialist“ des Amerikaners Scott Schuman, der eigentlich nur „Menschen auf den Straßen New Yorks“ zeigen und seine Sicht der Dinge unter modischen Gesichtspunkten mit anderen teilen wollte. Gestartet im September 2005, ist „The Sartorialist“ heute der vielleicht bekannteste Streetstyle-Blog der Welt und zählt zu den einflussreichsten Inspirationsquellen für Designer. Interessant sind aber auch die Blogs der ganz jungen Nachfolger, die sich bereits außerordentlich differenziert und spezialisiert haben: Style-Blogs wie der märchen-mädchenhaft romantische von Miss Pandora aus Frankreich; der kommentierende von Lynnandhorst oder Miss At La Playa, Inspiration-Blogs wie Fashiongonerogue oder Männermode-Blogs wie Stylesalvage. Ihnen gemeinsam ist das Spiel mit Identitäten, das Ausprobieren, das ausgeprägte Ego ihrer Macher. Begleitet von Fotos, an deren Qualität und Aussage sich offensichtlich viele Lifestyle-Zeitschriften orientieren, und die es fast unnötig machen, die knappen englischen, französischen oder spanischen Texte zu verstehen. Den Charme des Teilens von Spontanaufnahmen aus dem Hier und Jetzt haben inzwischen auch große Marken wie Burberry für sich entdeckt. Was für eine Idee: Den Trenchcoat von seinen Trägerinnen und Trägern fotografieren zu lassen und daraus eine einzigartige Galerie zu montieren, die den Regenmantel jedem Wetter, jeder Form und Lebenslage gewachsen zeigt.
Wer wissen will, wo der Zeitgeist wohnt, sollte in der Bloggosphäre nachsehen.
Hier geht's zu ausgewählten Modeblogs!

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