Farben machen die Welt bunt - und schlau, sexy, kreativ
Welche Farben prägen das Bild der nächsten Saison? Neutralität und Tonigkeit bilden die unverzichtbare Basis für die enorme Vielfarbigkeit des nächsten Winters, konstatiert das Deutsche Modeinstitut DMI. Creme, Lichtgrau, Greige, Taupe sowie fast weiße, sinnlich rauchige Töne vermitteln zwischen dunklen und kräftigen Farben, und bilden eine Alternative zum vielseitig auftretenden Schwarz. Doch daneben trumpfen Farben auf – Orange und Magenta bereichern eine reiche Rot-Palette, glühende Rot- und Kupfertöne setzen energiesprühende Akzente für eine Mode zwischen Vertrautheit und Schutz in sanften Schattenfarben, Aufbegehren und Trotz in Schwarz und Nieten, und fröhlicher Verspieltheit in Bunt. Das sind die Storys zur neuen Mode, sie widerspiegeln die Stimmungen, die die Welt in uns zur Zeit erzeugt.
Vielleicht aber würde es uns manchmal besser gehen, wenn wir bei der Wahl unserer Modefarben nicht nur einem relativ abstrakten Trend folgen, sondern öfter auf unsere innere Stimme hören würden. Denn neben modischen Aspekten, praktischen Erwägungen oder dem reinen Spaß an der Verwandlung spielen Farben eine besondere Rolle in der Wahrnehmung unserer Person durch andere Menschen, aber auch, wie wir uns selbst fühlen. Wissenschaftler fanden jetzt heraus, dass Farben unsere kognitiven Fähigkeiten beeinflussen. Kanadische Forscher wiesen in Experimenten nach, dass Blau den Erfindergeist beflügeln kann, Rot dagegen Aufmerksamkeit und Präzision steigert. Die Wissenschaftler sehen darin eine kulturelle Anpassung unseres Gehirns. Rot verbinden wir im Alltag häufig mit Verboten und Warnungen. Stoppschilder, der Rotstift bei der Korrektur oder die roten Zahlen bei Verlust – all das trainiert das Gehirn darauf, bei Rot besonders aufmerksam zu sein. Im Gegensatz dazu assoziieren viele Menschen Blau mit Weite und Offenheit, berichtet die Forschungsleiterin Juliet Zhu von der kanadischen University of British Columbia in Vancouver. Ein blauer Himmel oder der blaue Ozean erwecken demnach Bilder von Ruhe und Gelassenheit, Blau beruhigt – bis an die Grenze der Depression: „I feel blue“ sagt man im Englischen sehr bildhaft zu einem Zustand großer Traurigkeit.
Eine Studie des Psychologen Andrew Elliot der Universität Rochester beweist nun, dass die Wirkung von Farben offenbar keineswegs nur kulturell erlernt ist, sondern dass Farben unsere Sinne elementar beeinflussen. In einem Experiment wurden Männer mit einer durchschnittlich attraktiven, 25jährigen Frau in einem blauen Pullover konfrontiert. Die Männer nahmen sie kaum wahr, in einem leuchtend roten Modell dagegen fanden sie die gleiche Frau interessant und waren heiß auf ein Rendezvous. Mit ihrem Verhalten hatten die Probanden die Ansichten einer zunehmenden Zahl von Psychologen gestärkt: "Farbe ist nicht nur Ästhetik, Farbe hat eine Funktion", sagt Elliot. Farben wirken im Unbewussten, und von dort aus steuern sie uns Menschen in allen Lebenslagen: bei der Partnerwahl, während der Arbeit, beim Einkaufen und sogar bei der Entscheidung für ein Getränk. "Es reicht, eine Farbe nur einen Moment lang wahrzunehmen, damit sie ein vorhersagbares Verhalten auslöst", sagt Elliot. Offenbar aber wurde dieses Verhalten nicht nur kulturell erlernt, sondern ist zum Teil auch angeboren – und zwar bei Mensch und Tier gleichermaßen.
In Befragungen verbinden Menschen die Farbe Rot übereinstimmend mit Begriffen wie Liebe, Lust, Erotik. Aber eben nicht nur die Menschen! Bestimmte Affenarten signalisieren mit knallroten Genitalien ihre Paarungsbereitschaft. Ursache ist das Hormon Östrogen, das der Körper zum Zeitpunkt des Eisprungs vermehrt ausschüttet und damit den Blutfluss in einigen Körperregionen verstärkt. "Wir kommunizieren mit Farben wie mit einer allgemein verständlichen Sprache", sagt der Psychologe Elliot. Wie in jeder Sprache kann dabei dasselbe Symbol verschiedene Bedeutungen haben. Rot wirkt nicht nur anziehend, es weckt auch Misstrauen und Wachsamkeit, hält auf Abstand und schüchtert ein. Speziell gezüchtete Prachtfinken mit roten Schopffedern etwa brachte ihre weniger auffällig gefärbten Artgenossen dazu, sich vorsichtshalber defensiv zu verhalten. Auch hatten diese Tiere deutlich mehr Stresshormone im Blut. Etwas Rot, gezielt eingesetzt, kann demnach verblüffende, ja schockierende Wirkungen erzeugen, und das ist ganz natürlich. Man muss nicht gleich sein ganzes Farbkonzept über
Mehr zu diesem Thema – zum Beispiel, was die Farbe Rot bei Männern im Boxring auslöst, wie rote oder blaue Getränke schmecken - oder was man glaubt zu schmecken – das finden Sie im Internet unter diesem Link: http://www.sueddeutsche.de
Vielleicht aber würde es uns manchmal besser gehen, wenn wir bei der Wahl unserer Modefarben nicht nur einem relativ abstrakten Trend folgen, sondern öfter auf unsere innere Stimme hören würden. Denn neben modischen Aspekten, praktischen Erwägungen oder dem reinen Spaß an der Verwandlung spielen Farben eine besondere Rolle in der Wahrnehmung unserer Person durch andere Menschen, aber auch, wie wir uns selbst fühlen. Wissenschaftler fanden jetzt heraus, dass Farben unsere kognitiven Fähigkeiten beeinflussen. Kanadische Forscher wiesen in Experimenten nach, dass Blau den Erfindergeist beflügeln kann, Rot dagegen Aufmerksamkeit und Präzision steigert. Die Wissenschaftler sehen darin eine kulturelle Anpassung unseres Gehirns. Rot verbinden wir im Alltag häufig mit Verboten und Warnungen. Stoppschilder, der Rotstift bei der Korrektur oder die roten Zahlen bei Verlust – all das trainiert das Gehirn darauf, bei Rot besonders aufmerksam zu sein. Im Gegensatz dazu assoziieren viele Menschen Blau mit Weite und Offenheit, berichtet die Forschungsleiterin Juliet Zhu von der kanadischen University of British Columbia in Vancouver. Ein blauer Himmel oder der blaue Ozean erwecken demnach Bilder von Ruhe und Gelassenheit, Blau beruhigt – bis an die Grenze der Depression: „I feel blue“ sagt man im Englischen sehr bildhaft zu einem Zustand großer Traurigkeit.
Eine Studie des Psychologen Andrew Elliot der Universität Rochester beweist nun, dass die Wirkung von Farben offenbar keineswegs nur kulturell erlernt ist, sondern dass Farben unsere Sinne elementar beeinflussen. In einem Experiment wurden Männer mit einer durchschnittlich attraktiven, 25jährigen Frau in einem blauen Pullover konfrontiert. Die Männer nahmen sie kaum wahr, in einem leuchtend roten Modell dagegen fanden sie die gleiche Frau interessant und waren heiß auf ein Rendezvous. Mit ihrem Verhalten hatten die Probanden die Ansichten einer zunehmenden Zahl von Psychologen gestärkt: "Farbe ist nicht nur Ästhetik, Farbe hat eine Funktion", sagt Elliot. Farben wirken im Unbewussten, und von dort aus steuern sie uns Menschen in allen Lebenslagen: bei der Partnerwahl, während der Arbeit, beim Einkaufen und sogar bei der Entscheidung für ein Getränk. "Es reicht, eine Farbe nur einen Moment lang wahrzunehmen, damit sie ein vorhersagbares Verhalten auslöst", sagt Elliot. Offenbar aber wurde dieses Verhalten nicht nur kulturell erlernt, sondern ist zum Teil auch angeboren – und zwar bei Mensch und Tier gleichermaßen.
In Befragungen verbinden Menschen die Farbe Rot übereinstimmend mit Begriffen wie Liebe, Lust, Erotik. Aber eben nicht nur die Menschen! Bestimmte Affenarten signalisieren mit knallroten Genitalien ihre Paarungsbereitschaft. Ursache ist das Hormon Östrogen, das der Körper zum Zeitpunkt des Eisprungs vermehrt ausschüttet und damit den Blutfluss in einigen Körperregionen verstärkt. "Wir kommunizieren mit Farben wie mit einer allgemein verständlichen Sprache", sagt der Psychologe Elliot. Wie in jeder Sprache kann dabei dasselbe Symbol verschiedene Bedeutungen haben. Rot wirkt nicht nur anziehend, es weckt auch Misstrauen und Wachsamkeit, hält auf Abstand und schüchtert ein. Speziell gezüchtete Prachtfinken mit roten Schopffedern etwa brachte ihre weniger auffällig gefärbten Artgenossen dazu, sich vorsichtshalber defensiv zu verhalten. Auch hatten diese Tiere deutlich mehr Stresshormone im Blut. Etwas Rot, gezielt eingesetzt, kann demnach verblüffende, ja schockierende Wirkungen erzeugen, und das ist ganz natürlich. Man muss nicht gleich sein ganzes Farbkonzept über
Mehr zu diesem Thema – zum Beispiel, was die Farbe Rot bei Männern im Boxring auslöst, wie rote oder blaue Getränke schmecken - oder was man glaubt zu schmecken – das finden Sie im Internet unter diesem Link: http://www.sueddeutsche.de
